Folge 25 - Verbrenner vs E-Auto

Shownotes

Butterfly Effect – Eine große Liebe mit fatalen Folgen.

Was haben eine toxische Liebesbeziehung und der Verbrennungsmotor gemeinsam? Mehr, als man zunächst vermuten würde.

Über ein Jahrhundert hat uns der Verbrenner begleitet. Er versprach Freiheit, Unabhängigkeit und Abenteuer. Wir haben unseren Alltag um ihn herum aufgebaut. Doch die Beziehung hat ihre Schattenseiten: fossile Abhängigkeiten, Schadstoffe, CO₂-Emissionen und enorme Energieverluste.

Und obwohl längst eine attraktivere Alternative auf uns wartet, fällt uns die Trennung schwer. Warum eigentlich?

In dieser Folge von Gegenstrom sehen wir uns mit Angelika Kabrt den Verbrenner und seine Beziehungstauglichkeit genauer an. Warum haben wir alle Red Flags bisher ignoriert? Und warum setzen wir nicht schon längst auf den viel attraktiveren Kandidaten, das Elektroauto?

Es geht um technologische Pfadabhängigkeiten, verpasste Wendepunkte, die Sunk Cost Fallacy und die Frage, warum wir so oft am Vertrauten festhalten, obwohl längst eine bessere Zukunft möglich wäre.

Transkript anzeigen

00:00:03: Willkommen bei Gegenstrom, den Podcast zur Energiewende.

00:00:08: Wissen, Klarheit, Orientierung in allen Themen rund um die Energiewirtschaft in Österreich jede Woche im zehnminütigen Kurzformat.

00:00:19: Ich bin Angelika Kadrit und hier kommt das Gegendström.

00:00:23: Thema der Woche Butterfly Effekt Eine große Liebe mit vertalen Folgen Der verpasste Wendepunkt Wo sind wir falsch abgebogen?

00:00:34: Fahrtabhängigkeit, warum wir nicht loslassen.

00:00:38: Butterfly-Effekt Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann am anderen Ende der Welt einen Typhoon auslösen.

00:00:47: Eine kleine Veränderung am Anfang kann also eine völlig andere Zukunft schaffen.

00:00:52: Im Fall des Verbrenners hat eine solche Entwicklung unsere Welt über mehr als ein Jahrhundert geprägt.

00:00:59: Er war einmal eine große Liebe und gab uns ein Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und Abenteuer.

00:01:07: Wir haben unseren Alltag um ihn herum gebaut – aber Liebe macht bekanntlich blind!

00:01:12: Und so haben wir einige Warnzeichen übersehen.

00:01:16: Über Jahrzehnte ist ein komplexes System aus Tankstellen, Raffinerien, Straßen- und Werkstätten entstanden.

00:01:23: Mit ihm haben wir uns in einer enorme Abhängigkeit gestürzt.

00:01:27: Trotzdem sind wir ihm bis heute treu geblieben.

00:01:35: Wir blicken auf eine über hundertjährige Beziehung zurück, was uns einst Freiheit und Mobilität versprach bringt fossile Abhängigkeit Schadstoffe CO-Zweihemissionen Lärm und enorme Energieverluste mit sich.

00:01:50: In Österreich sind rund sechzig Prozent der Emissionen dem Verkehrssektor zuzurechnen.

00:01:55: Rund dreißig Prozent davon fallen auf PKWs.

00:01:59: Diesel- und Benzinfahrzeuge verursachen dabei die höchsten Emissionen, auch Hybridfahrzeugen bringen nur eine geringe Verbesserung.

00:02:08: Die Redflex sind längst sichtbar – die Erde heizt sich rasant auf!

00:02:13: Seit Beginn der Industrialisierung ist die globale CO² Konzentration um mehr als fünfzig Prozent gestiegen während sie in den rund zehntausend Jahren zuvor nahezu konstant blieb.

00:02:26: Trotzdem fällt uns die Trennung von fossilen Brennstoffen schwer!

00:02:30: Warum halten wir also an einer Beziehung fest, von der wir längst wissen dass sie Probleme verursacht und uns nicht gut tut?

00:02:38: Viele verbinden mit dem Verbrenner ein Lebensgefühl – eine emotionale Bindung, die man nur schwer aufgeben möchte ganz so wie es bei toxischen Bindungen nun mal ist.

00:02:49: Hinzu kommt die Angst vor Veränderung.

00:02:51: Denn ein neuer Kandidat, das Elektroauto wäre schon in Sichtweite oder besser gesagt verfügt über die notwendige Reichweite.

00:03:01: Trotzdem bleiben wir weiterhin beim Verbrenner und finden immer neue Ausreden warum es gerade nicht geht.

00:03:08: So schlimm ist es doch gar nicht.

00:03:09: Die Alternativen funktionieren noch nicht.

00:03:12: Wir haben so viel gemeinsam aufgebaut Wegen der Kinder.

00:03:15: was werden die Nachbarn denken Während andere Volkswirtschaften bereits klar auf das E-Auto setzen, klammern wir uns an den Verbrenner und erklären das Festhalten rückblickend zu einer bewussten Entscheidung.

00:03:28: Denn diese Geschichte klingt viel besser als sich einzugestehen, dass wir möglicherweise zu lange am alten System festgehalten haben.

00:03:36: Dabei sind die Nachteile des Verbrenners mehr als offensichtlich – in Zeiten geopolitischer Krisen fahren wir mit einem System, das hochgradig importabhängig ist!

00:03:47: Österreich deckt mehr als neunzig Prozent seines Bedarfs an fossilen Energieträgern durch Importe ab.

00:03:53: Diese hohe Abhängigkeit gefährdet unsere Resilienz und führt zu einem erheblichen Abfluss von Wertschöpfung ins Ausland – Kapital, das wir auch im Inland investieren könnten!

00:04:05: Es wird zum Manchen beim Verbrenner ganz warm ums Herz.

00:04:09: Das ist auch kein Wunder.

00:04:10: Energetisch betrachtet ist dazu einen großen Teil einer Heizung mit Nebenfunktionauto Rund.

00:04:17: siebzig bis achtzig Prozent der Energie werden über das Abgas- und das Kühlsystem an die Umgebung abgegeben.

00:04:24: Nur zwanzig bis dreißig Prozent werden in Bewegungen umgewandelt.

00:04:28: Außerdem ist der Verbrenner Kettenraucher, Stickstoffoxide, Feinstaub, Kohlenmonoxid, um nur einige Schadstoffe zu nennen, die auf einer Zigarettenverpackung kennzeichnungspflichtig wären.

00:04:41: Der Verbrenners kann ihnen und ihrer Gesundheit schaden!

00:04:44: Bitte keinen kräftigen Lungenzug aus dem Auspuff nehmen.

00:04:48: Diese Beziehung macht uns im wahrsten Sinne des Wortes krank und auch E-Fuels ändern daran grundsätzlich nichts, sie machen den Verbrennungsmotor nicht schadstofffrei.

00:04:58: Wir sind aber nachsichtig und schicken ihn zur immer schärferen Rauchentwöhnung.

00:05:04: Um seine Schadstoffemissionen weiter zu reduzieren braucht er immer aufwendigere Abgasnachbehandlungssysteme.

00:05:10: Die Konsequenz Die Optimierungspotenziale werden kleiner, der Aufwand größer.

00:05:17: Eine Entwicklung die laut Einschätzung von Experten Christian Diendorfer den Verbrennungsmotor langfristig immer teurer machen dürfte.

00:05:25: Dann ist dann noch die Wartung – eine teure Liebe!

00:05:28: Der Verbrenner muss gewissermaßen ständig zum Arzt, dem Mechaniker und trotzdem unterstützen wir unsere alte Liebe immer wieder finanziell etwa über fossile Förderungen oder Eingriffe in Spritpreise.

00:05:42: Fossile Loyalität, könnte man sagen.

00:05:45: Dabei wartet längst eine gesunde neue Liebe auf uns – das E-Auto!

00:05:50: Anstelle von fossilen Energieimporten tanken wir Strom der zu großen Teilen aus erneuerbaren Energien aus Österreich stammt.

00:05:58: Mit einem Wirkungsgrad von etwa achtzig Prozent ist ein E-auto deutlich effizienter.

00:06:04: Für die gleiche Strecke braucht es nur ein Viertel der Energie und verursacht über den gesamten Lebenszyklus deutlich weniger Emissionen.

00:06:13: Wie gut die Bilanz ausfällt, hängt natürlich von Strom-Mix-Batterie und Fahrzeuggröße ab.

00:06:19: Das E-Auto ist auch ein angenehmer Geselle – leise und nicht raucher!

00:06:24: Vom Charakter her ist er auch nicht unnötig kompliziert.

00:06:27: Ein Elektroantrieb kommt mit deutlich weniger Komponenten als ein Verbrenner aus.

00:06:34: Arztbesuche beim Mechaniker fallen seltener an.

00:06:37: Insbesondere die Bremsen bleiben gut in Schuss, denn ein E-Auto bremst Großteils mit dem Motor und er kann auch ganz schön beschleunigen, denn der Elektromotor liefert das volle Drehmoment aus dem Stand!

00:06:50: Und dann gibt es noch die Batterie – eine gesunde Liebersbeziehung beruht auf Gegenseitigkeit.

00:06:56: Beim Bremsenden Bergabfahren kann Energie durch die Rekuperation wieder in den Akku geladen werden.

00:07:03: Perspektivisch kann das Fahrzeug sogar Teil des Stromsystems werden und Energie ans Netz zurückgeben.

00:07:10: Mit dem dabei verdienten Geld können wir dann in ein schickes Restaurant ausgeführt werden, eine Beziehung bei der zumindest theoretisch auch einmal etwas zurückkommt.

00:07:19: Während es beim Verbrenner reinweise Red Flags gibt ist es beim E-Auto aktuell vor allem die Herstellung der Lithium-Jonen-Batterie.

00:07:28: Dieser Nachteil kann im Betrieb wieder aufgeholt.

00:07:31: Je nach Nutzung wird der Klima-Vorteil nach zehntausend bis fünfunddreißigtausend Kilometern erreicht und wächst danach weiter.

00:07:39: Dabei gilt größere Akkus verursachen höhere Emissionen bei der Herstellung, auch das E-Auto löst also nicht das Problem immer größerer und schwerer Autos.

00:07:50: Aber wir sind in einer gesunden Partnerschaft gelandet – am Markel wird bereits gearbeitet!

00:07:55: Der chinesische Autohersteller BYD entwickelt beispielsweise bereits Natrium-Ionen-Batterien.

00:08:02: Auf den ersten Blick wirkt das E-Auto noch wie eine teure Alternative – die Anschaffungskosten sind oft noch hoch, denn E-autos werden gerade erst zum Massenprodukt und genau deshalb steckt in Entwicklung, Fertigung und Wartung noch ein enormes Kostensenkungspotenzial.

00:08:20: Langfristig spricht daher vieles dafür dass E- Autos günstiger werden!

00:08:25: Je attraktiver also die Alternative wird, desto unangenehmer wird eine Frage.

00:08:30: Warum sind wir eigentlich nicht schon viel früher anders abgebogen?

00:08:38: Das Leben wird vorwärts gedacht und rückwärz verstanden.

00:08:42: Bei Beziehungen gilt das ganz besonders.

00:08:45: Stellen wie uns vor, wir reisen zwanzig Jahre zurück Ein kleiner Flügelschlag Und die Geschichte nimmt einen anderen Verlauf Klimawandel, Schadstoffe und die Abhängigkeit von Öl.

00:08:57: Die Probleme des Verbrenners waren damals keineswegs unbekannt.

00:09:01: Gleichzeitig war der Verbrenner ein etabliertes System das uns Sicherheit vermittelt hat.

00:09:06: Das ganze System war auf diese Technologie ausgerichtet Und genau das macht einen Wendepunkt so schwer erkennbar.

00:09:14: Im Moment selbst fühlt es sich selten wie einer an und wir machen weiter wie bisher.

00:09:19: Was wäre also passiert wenn Europa damals konsequent entschieden hätte?

00:09:23: Unsere Zukunft fährt elektrisch.

00:09:25: Nicht als einzelner Privathaushalt, sondern ganz Europa!

00:09:30: Wie würde unsere Automobilindustrie heute aussehen?

00:09:34: Wie hoch wäre unsere Abhängigkeit von Ölimporten?

00:09:38: Wo würde die Batterie-Wertschöpfung stattfinden?

00:09:42: Wie wären Stromnetze und Ladeinfrastruktur entwickelt worden?

00:09:46: Wie hätten uns die Energiekrisen der letzten Jahre

00:09:49: getroffen?!

00:09:50: Und wie würden Emissionen, Schadstoffe und Lärm auf unseren Straßen heute aussehen?

00:09:56: Genau darum geht es beim Butterfly-Effekt.

00:09:58: Schon eine andere Entscheidung an einem zentralen Punkt hätte die Realität deutlich verändert.

00:10:04: China hat früher und konsequenter ein industrielles Strategie rund um Elektromobilität und Batterien verfolgt – und ist heute ein zentraler Akteur des Marktes!

00:10:15: Europa hingegen diskutiert weiterhin darüber, wie lange die alte Beziehung noch funktionieren soll und wie man sie am besten erhalten kann.

00:10:23: Wir bleiben beim Verbrenner weil wir ihn brauchen oder weil er uns braucht – wenn also eine Entscheidung vor zwanzig Jahren schon so viel verändern hätte können!

00:10:33: Was wäre passiert, wenn wir noch viel früher in die Geschichte eingegriffen hätten?

00:10:38: Kapitel drei Fahrtabhängigkeit.

00:10:41: Reisen wir noch weiter zurück Dorthin, wo alles begonnen hat.

00:10:46: Was wäre gewesen wenn der Verbrenner nie zum dominierenden Antrieb geworden wäre?

00:10:51: Sondern das E-Auto dass es zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon gab.

00:10:56: Vielleicht wäre eine völlig andere Infrastruktur entstanden Andere Unternehmen wären groß geworden Technologien weiterentwickelt worden Neue Abhängigkeiten entstanden Die Welt würde anders aussehen.

00:11:09: Ob sie automatisch besser wäre können wir nicht wissen.

00:11:12: Zurück in der heutigen Realität erzählen wir uns gerne, dass der Verbrennungsmotor sich durchgesetzt hat weil er zwangsläufig die beste Lösung gewesen sei.

00:11:21: Dabei haben Infrastruktur, Investitionen und industrielle Interessen diesen Weg mitgeprägt – Mit dem Ergebnis das bestehende System irgendwann wie ein Naturgesetz erscheint.

00:11:33: Je länger ein System besteht desto selbstverständlicher erschein es!

00:11:37: Die Kosten des Bestehenden nehmen wir dabei kaum noch wahr.

00:11:41: Bei der Alternative wird dagegen jeder Euro und jedes Problem auf die Goldwaage gelegt.

00:11:46: Das Phänomen endelt, der Sankt-Kost-Fellacy Man hält an einer Investition fest weil man bereits viel Geld Zeit und Energie hineingesteckt hat.

00:11:56: Je mehr wir gemeinsam aufgebaut haben desto schwerer fällt die Trennung.

00:12:01: das gilt für Beziehungen und offenbar auch für Technologien.

00:12:05: Fazit Der Butterfly-Effekt zeigt, wie weit die Folgen einer einzelnen Weichenstellung reichen können.

00:12:13: Wir halten den historischen Ausgang einer Entwicklung oft für den Beweis, dass es die richtige Entscheidung war.

00:12:19: Dabei war es vielleicht gar keine bewusste Entscheidung – vielleicht sind wir einfach immer weitergegangen weil der Weg bereits da war?

00:12:27: Genau darin liegt die Gefahr der Pfadabhängigkeit.

00:12:30: das bestehende wird selbstverständlich die Alternative riskant!

00:12:35: Nur weil wir die letzten Jahrzehnte mit dem Verbrenner verbracht haben, heißt das aber nicht dass wir auch den nächsten mit ihm verbringen müssen.

00:12:42: Vergangenheit ist kein Argument für die Zukunft!

00:12:46: Es braucht nur einen kleinen Flügelschlag um die Zukunft heute anders zu gestalten.

00:12:51: und sollten wir dem Verbrenner bei einer Reise in der Vergangenkeit noch einmal begegnen dann am besten einfach weitergehen.

00:13:02: Das war Gegenstrom der Podcast.

00:13:06: Du suchst bei einem Energiethema nach mehr Wissen, Klarheit und Orientierung?

00:13:10: Teile es in den Kommentaren oder abonnier uns doch.

00:13:14: Und wir hören uns nächste Woche überall wo es Podcasts gibt!

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