Folge 23 - Wärmewende "Stadt vs Land"

Shownotes

„Mit Speck fängt man Mäuse.“ Beim Heizungstausch versucht es die Politik vor allem mit Förderungen. Doch bei der Wärmewende reicht Geld allein nicht. Warum kann die Landmaus ihre Heizung einfach tauschen, während die Stadtmaus oft gar nicht selbst entscheiden darf? Welche Rolle spielen Eigentum, Finanzierung und Koordination und warum wird der Ausstieg aus Öl und Gas im Mehrparteienhaus so kompliziert? In dieser Folge von Gegenstrom hat Angelika Kabrt recherchiert, warum Wärmewende nicht gleich Wärmewende ist, welche Hürden im Eigenheim, im Zinshaus und in der Eigentümergemeinschaft entstehen und weshalb technische Lösungen allein noch keine Wärmewende machen. Die zentrale Frage: Wer hat die Mäuse für den Umbau und wer darf überhaupt entscheiden?

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00:00:03: Willkommen bei Gegenstrom, den Podcast zur Energiewende.

00:00:08: Wissen, Klarheit, Orientierung in allen Themen rund um die Energiewirtschaft in Österreich jede Woche im zehnminütigen Kurzformat.

00:00:19: Ich bin Angelika Kabert und hier kommt das Gegendström Thema der Woche.

00:00:24: Därmewände Stadt- und Landmaus müssen raus aus Öl und Gas.

00:00:30: Maus ist nicht gleich Maus.

00:00:32: Wer entscheidet über die Heizung?

00:00:35: Finanzierung.

00:00:36: Wer hat die Mäuse für den Umbau?

00:00:40: Willkommen bei der Wärmewende!

00:00:42: Seine Einwohner, Stadt und Landmaus – Die beiden müssen ihre Häuser bis zu zwei Tausend vierzig dekarbonisieren.

00:00:50: Das heißt raus aus Öl und Gas und rein in die grüne Zukunft.

00:00:55: So many houses so little time.

00:00:58: Die Raumwärme macht ca.

00:01:00: thirty-two Prozent des österreichischen Energieverbrauchs aus, ein Komma.

00:01:05: drei Millionen.

00:01:06: Öl und Gasheizungen im Bestand müssen ausgebaut und gegen ein erneuerbares Heizsystem getauscht werden – das ist eine Mammutaufgabe!

00:01:16: Der Verband Erneuerbare Energien Österreich schätzt Dazu, rund neunzigtausend bis einhunderttausende Heizungen müssten pro Jahr ersetzt werden damit zwei tausendvierzig der Gebäudebestand in Österreich klimaneutral mit Wärme und Warmwasser versorgt wird.

00:01:33: Die Mäuse müssen also fleißig wie die Bienen werden, damit das Ziel erreicht wird denn Heizung werden zwar getauscht aber nicht immer gegen erneuerbare Systeme.

00:01:43: Seit Jahrzehnte dürfen im Neubau grundsätzlich keine neuen fossilen Heizsysteme mehr errichtet werden.

00:01:51: Das Problem sind Bestandsgebäude.

00:01:54: Bundesrechtlich dürfen hier Gas- und Ölheizungen weiterhin ersetzt werden.

00:01:59: Jede erneuerte fossile Heizung im Bestand verlängert also den Ausstieg im Gebäudepereich.

00:02:05: Ein Beispiel Die Gasterme in einer Wohnung wird im Jahrzehnzehntes gegen eine neue Gasterma getauscht, Diese hat eine Lebensdauer von bis zu zwanzig Jahren.

00:02:16: Das heißt, die Gastherme könnte noch bis zu tausend sechsunferzig betrieben werden – vorausgesetzt es fließt dann noch Gas durch die Versorgungsleitung.

00:02:26: Ein Grundproblem der österreichischen Wärmewende ist also dass weiterhin fossile Heizungen eingebaut werden.

00:02:33: Mit Speck fängt man Mäuse!

00:02:35: Die Regierung setzt auf Förderung beim Heizungstausch.

00:02:39: Bei näherer Betrachtung ist das aber nur ein Teilbereich einer viel größeren Herausforderung.

00:02:45: Die Wärmerwände findet in Gebäuden statt und damit in bestehenden Eigentumsverhältnissen.

00:02:51: Hier gibt es zwischen Stadt- und Landmaus vereinfacht gesagt große Unterschiede.

00:02:57: Drei Fallbeispiele Erstens, die Landmaus wohnt zumeist in einem Einfamilienhaus der Maustraum im Grünen mit Garten und Pool.

00:03:08: Alles gehört der Landmaus und somit liegt die Entscheidungsmacht für eine Sanierung beziehungsweise einen Heizungstausch allein in Ihrer Hand.

00:03:17: Die Technologien sind da – das Hauptproblem!

00:03:21: Wenn sie eine arme Kirchenmaus ist, stellen die hohen Anfangsinvestitionen eine große Hürde dar.

00:03:28: Es stellt sich allerdings die Frage wie viel Förderung ist socioökonomisch sinnvoll?

00:03:34: Und wie kann diese treffsicher gestaltet werden?

00:03:37: Denn nicht für alle ist die Anfangsinvestition dieselbe finanzielle Hürde.

00:03:42: Zweitens – Die reiche Stadtmaus besitzt eine Liegenschaft, beispielsweise ein Zinshaus!

00:03:49: Sie hat also die Entscheidungshoheit über den Heizungstausch vermietet aber an andere Mäuse.

00:03:56: Eine neue Heizungen für eine ganze Ligenschaft kostet viel Geld.

00:04:00: Es stellt sich also die Frage nach der Finanzierung.

00:04:03: Eine reiche Stadmaus muss nicht immer liquide sein auch wenn sie Anlagevermögen hat.

00:04:08: Im Idealfall borgte sich das Geld bei der Bank aus, aber wie refinanziert sie die Heizung?

00:04:15: Die Investitionskosten für ein neues Heizsystem kann sie derzeit nicht einfach auf die Mietmäuse überwälzen – auch wenn diese möglicherweise von geringeren Heizkosten profitieren würden!

00:04:27: Es besteht ein handfestes Refinanzierungsproblem und die fossile Gasheizung ist beim Heizungstausch häufig, die kurzfristig einfacherere und günstigerer Lösung.

00:04:37: Die Mietmäuse haben wiederum keine Entscheidungsmacht über das Heizsystem.

00:04:44: Statt Mäuse, die sich eine Wohnung gekauft haben – und selbst in einer Eigentümergemeinschaft wohnen oder diese vermieten.

00:04:51: Hier wird es richtig kompliziert!

00:04:53: Die Entscheidungsmacht über das Heizsystem ist auf viele Mäuse aufgeteilt und muss gemeinschaftlich entschieden werden.

00:05:00: Alleineigentum oder kein Eigentum, wie ein Sprichwort schon sagt.

00:05:05: Hinzu kommt oft eine komplizierte technische Ausgangslage – im Extremfall werden unterschiedliche Systeme in einem Haus kombiniert und die Gasetagenheizungen haben unterschiedliche Einbauzeitpunkte.

00:05:18: Das erschwert zusätzlich die Findung des perfekten Wechselzeitpunktes.

00:05:23: Denn die Miteigentümerin mit neuer Gastherme hat verständlicherweise kein Interesse, diese in fünf Jahren wieder gegen ein neues System zu tauschen!

00:05:33: Ein großes Fragezeichen ist ebenso die Finanzierung – denn wer soll das bezahlen?

00:05:38: Wer hat so viel

00:05:40: Geld?!

00:05:40: Die Einkommensverhältnisse können stark variieren und die angesparten Rücklagen in der Hausgemeinschaft müssen für einen Heizungstausch nicht zwangsläufig ausreichen.

00:05:51: Und selbst wenn all diese Punkte gelöst sind, kann einem die Technik noch einen Strich durch die Rechnung machen.

00:05:57: Eine Wohnung hat Radiatoren, die andere eine Fußbodenheizung – es bestehen also ganz unterschiedliche Voraussetzungen für ein zentrales Heizsystem!

00:06:07: Technische Lösungen gibt es immer mehr am Markt wie beispielsweise Energienetze oder Etagenwärmepumpen.

00:06:13: Und am Ende kann eine praktische Frage übrig bleiben, wo ist Platz für das neue Heizsystem?

00:06:20: Oder wer stellt Platz zu welchen Bedingungen zur Verfügung?

00:06:24: In der Stadt kommt hinzu – Es werden nicht einfach einzelne Heizungen getauscht sondern es braucht einen klaren Zielplan und Organisation.

00:06:34: Parallel müssen fernwärme Netze ausgebaut und Gasnetze rückgebaut werden.

00:06:39: Wo Fernwärmen nicht möglich ist, spielen dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen eine wesentliche Rolle.

00:06:45: Dieser Systemumbau muss gut koordiniert und kommuniziert werden.

00:06:51: Erst wenn die letzte Maus raus aus Gas ist kann die Leitung nämlich stillgelegt werden.

00:06:56: Das ergibt eine systemische Ungerechtigkeit.

00:06:59: Mieterinnen haben weder die Entscheidungsgewalt über den Tausch des Heizsystems noch über den Zeitpunkt.

00:07:07: Steigenden Gaspreisen am Weltmarkt sind sie ebenso ausgeliefert wie den steigenden Netzkosten durch immer weniger werdenden Kunden – mit anderen Worten, die Mietmäuse zahlen die fossile Zeche ohne über den Ausstieg selbst entscheiden zu können!

00:07:23: Welche sind nun die größten Herausforderungen der Wärmewende und wie können Sie gelöst werden?

00:07:29: Bis zu einem Jahrzehntag brauchen wir Rennmäuse.

00:07:33: Der Umbau muss deutlich schneller gehen!

00:07:35: Es braucht klare und verbindliche Zielpläne mit Meilensteinen, so wie man das in jedem normalen Projektplan auch darstellt.

00:07:44: Fossile Hintertüren sollten rasch und endgültig geschlossen werden um Fehlinvestitionen zu verhindern und die Wände nicht unnötig zu verzögern.

00:07:54: Fossile hinter Türen sollten rasch und endgültig geschlossen werden, um Fehlinvestitionen zu verhindern und die Wände nicht unnötig zu verzögern.

00:08:03: Und dann braucht es Geld – ganz viel Geld!

00:08:08: Um ein Komma drei Millionen Heizsysteme zu tauschen was auch eine große Chance für den Wirtschaftsstandort darstellt und zuguterletzt.

00:08:17: eine ordentliche Portion Konsensfindung zwischen Eigentums- und Mietmäusen, um die Finanzierungsfrage zu klären.

00:08:25: Fazit Die Wärmewende ist technisch Großteils gelöst – in der Umsetzung scheitert sie aber an einer Vielzahl von Hürden.

00:08:34: Entscheidungsmacht und Koordination werden dabei oft unterschätzt.

00:08:39: Die Landmaus kann entscheiden, braucht aber Geld!

00:08:42: Die Stadtmaus braucht ebenfalls Geld, kann aber oft gar nicht selbst entscheiden.

00:08:47: Es braucht also nicht nur Lösungen für die Finanzierung und einen klaren Ausstiegspfad, sondern auch Antworten darauf wie Investitionskosten in Mietverhältnissen refinanziert, wie Entscheidungen in mehr Parteienhäusern getroffen und gemeinsam umgesetzt und wie Mieterinnen aus fossilen Heizsystemen aussteigen können – obwohl sie selbst keine Entscheidungsmacht haben!

00:09:11: Erst wenn diese Fragen geklärt sind, feiern die Mäuse Kirtag.

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