Folge 22 - CCS Carbon Capture and Storage
Shownotes
„Kann das nicht jemand anders tun?“ Homer Simpson hat für Müllprobleme bekanntlich kreative Lösungen. Beim CO₂ gibt es eine Technologie, die ähnlich klingt: Carbon Capture and Storage – CCS.
Was bedeutet CCS für Österreich? Wie viel Energie, Infrastruktur und Geld braucht es und wann kann die Technologie sinnvoll sein?
In dieser Folge von Gegenstrom hat Angelika Kabrt recherchiert, was hinter der CO₂-Abscheidung steckt, welche Kosten entstehen und warum die Müllbeseitigung von Springfield erstaunlich viel mit Klimapolitik zu tun hat.
Die zentrale Frage: Müssen wir den Müll möglichst aufwendig beseitigen – oder sollten wir zuerst weniger davon produzieren?
Link zur Studie: https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep1009.pdf
Transkript anzeigen
00:00:03: Willkommen bei Gegenstrom, den Podcast zur Energiewende.
00:00:08: Wissen, Klarheit, Orientierung in allen Themen rund um die Energiewirtschaft in Österreich – jede Woche im zehnminütigen Kurzformat!
00:00:19: Ich bin Angelika Kabert und hier kommt das Gegendström-Thema der Woche CCS Carbon Capture & Storage.
00:00:28: wohin mit dem Müll Huma Simpsons?
00:00:32: Was kostet die Müllbeseitigung?
00:00:35: Liebestag, wann kann CCS sinnvoll sein?
00:00:40: Österreich hat ein Müllproblem.
00:00:42: Wir sehen es nur nicht weil wir den Abfall einfach in die Luft blasen.
00:00:46: Bei den Simpsons heißt es Ein Problem das den ganzen Planeten betrifft!
00:00:51: Wir müssen dringend unsere Emissionen senken bevor die Klimakrise noch weiter eskaliert.
00:00:57: Bloß wie... Ein Ansatz wäre, wir könnten weniger davon produzieren Erneuerbare Energien ausbauen, Wärme und Verkehr elektrifizieren oder industrielle Prozesse dekarbonisieren.
00:01:09: Mit anderen Worten?
00:01:11: Langweilig!
00:01:13: Humasimson hat dafür eine andere Lösung.
00:01:16: Kann das nicht jemand anders tun?
00:01:19: Ja genau – Das geht The Garbage Man kennen Und zwar mit CCS Carbon Capture and Storage.
00:01:28: Wie funktioniert das?
00:01:30: Wir produzieren weiterhin CO², fangen es aber ab bevor es in die Atmosphäre gelangt und stecken es unter der Erde.
00:01:38: Problem soweit gelöst!
00:01:40: Humasimson wäre begeistert – genauso löst er das von ihm verschlimmerte Müllproblem nämlich nicht indem Müll vermieden wird sondern indem er dafür sorgt dass er verschwindet.
00:01:52: Der Müll wird teuer unter Springfield verfrachtet bis sich die Erde dagegen wehrt.
00:01:57: Aus den Augen aus.
00:01:58: dem Sinn In Österreich ist die geologische Speicherung von CO-II seit Jahrzehntelf grundsätzlich verboten.
00:02:06: Das soll sich nun ändern!
00:02:08: Ein Entwurf für das neue Kohlenstoffdioxidspeicherungsgesetz liegt derzeit vor, damit soll das bisherige Verbot aufgehoben und die geologe Speicherung vom CO-III in Österreich ermöglicht werden.
00:02:22: Wie verrückt diese Versprechungen sind, schauen wir uns nicht bei den Simpsons sondern mit dem Umweltbundesamt an.
00:02:29: Dieses hat in einer Studie den Energieverbrauch und volkswirtschaftliche Effekte zu CCS in Österreich untersucht.
00:02:36: In einem Szenario werden einunddreißig Industrieanlagen mit CO-Zwei Abscheidung ausgestattet – darunter Zement-, Kalkwerke, Müllverbrennungsanlagen und Raffinerien!
00:02:48: also jene Branchen, in denen sich CO² besonders schwer vermeiden lässt.
00:02:53: Ein Großteil dieser Anlagen arbeitet dabei mit sogenannten Aminwäschern und die brauchen vor allem eines – viel Energie!
00:03:02: Vor allem Wärme.
00:03:04: Für den Betrieb dieser Amin-Wäscher müssten bei den Industrieanlagen zusätzliche Kessel- und Wärmepumpen gebaut werden.
00:03:12: Um ein Gefühl für die Größenordnungen zu bekommen.
00:03:15: Allein die zusätzlich benötigte Kesselleistung liegt ungefähr in der Größenordnung der gesamten thermischen Leistungen am Kraftwerksstandort Bien Simmering.
00:03:26: Und mit der zusätzlich Benötigten Wärmepumpenleistung könnte man eine ganze Stadt mit Wärme versorgen.
00:03:32: Bürger von Österreich, dieses ganze Prozedere frisst ziemlich viel Energie!
00:03:45: ausgezeichnet.
00:03:46: Das Umweltbundesamt stellt allerdings fest, für CCS brauchen wir deutlich mehr Strom und Wärme als im nationalen Energie- und Klimaplan bisher vorgesehen ist – es braucht unter anderem Biomasse zusätzlichen erneuerbaren Strom und teilweise Wasserstoff.
00:04:03: Und was wird.
00:04:03: dafür verwenden können wir nicht gleichzeitig woanders einsetzen etwa für Wärmepumpen, E-Autos oder elektrische Industrieprozesse.
00:04:12: CCS konkurriert also um genau jene Energie, die wir auch für die Wärme Verkehrs- und Industriewende brauchen.
00:04:20: Huma Simpson ist der besoffenste und ausgeflippteste Müllbeseitigungsreferent den die Stadt je gesehen hat – aber nicht unbedingt ein Budgetchini!
00:04:31: Und auch für unsere Müllbesetigungsanlagen brauchen wir sehr viel Geld.
00:04:37: Rund zehn Komma sieben Milliarden Euro müssten investiert werden in die CO-Zwei-Abscheidung, in zusätzliche Energieanlagen und in ein rund eintausend Kilometer langes CO-Zeinetz.
00:04:50: Aber damit ist der Müll noch nicht weg – denn nachdem wir ihn nicht einfach unter der Stadt verscharen und anschließend Springfield umsiedeln können, stellt sich die nächste Frage – wohin mit dem ganzen CO?
00:05:02: Potenzielle Speicherstätten müssten erst erkundet, genehmigt und erschlossen werden… Und auch die Speicherung selbst kostet wiederum Geld!
00:05:10: Das sind also nicht einfach neue Uniformen- und Wildlederstiefel für die Müllabfuhr von Springfield.
00:05:17: CCS ist eine komplett neue Infrastruktur!
00:05:22: Sie haben das ganze Jahresbudget in einem Monat verschleudert, zur Einordnung.
00:05:27: Zehn Kommasieben Milliarden Euro ist fast so viel wie der Bund in einem Jahr für Bildung ausgibt oder ungefähr soviel als zwei Choralmbahnen.
00:05:35: Es stellt sich also die Frage... Wie finanziert man eine Müllbeseitigung rund um die Uhr?
00:05:42: Ein entscheidender Faktor ist der CO-Preis.
00:05:45: Christoph Kutlich, Rechtsanwalt bei Schönherr bringt es auf den Punkt – ein hoher CO-Preis macht CCS wirtschaftlicher.
00:05:53: Warum?
00:05:54: Unternehmen im Emissionshandel müssen für ihre Emissionen CO-Zertifikate kaufen!
00:06:00: Vereinfacht gesagt, entscheiden Sie zwischen CO²-Ausstoßen und Zertifikate kaufen oder CO² Abscheiden und Speichern.
00:06:09: Entscheidend ist also ab welchem CO² Preis ist CCS die attraktivere Wahl?
00:06:15: Das Umweltbundesamt kommt auf eine ziemlich hohe Schwelle – ohne Wasserstoff müsste der CO² Preis bei etwa zweihundert bis zweihundertachzig Euro pro Tonne liegen damit CCS ohne zusätzliche Förderung auskommt!
00:06:30: Wird auch Wasserstoff für die Prozesswärme benötigt, sind es sogar dreihundertsechzig bis vierhundertdreißig Euro pro Tonne CO-Zwei.
00:06:38: Und damit kommen wir zur nächsten Frage – wer trägt die Kosten?
00:06:42: Entweder das Unternehmen trägt sie selbst und gibt sie über höhere Produktpreise weiter oder der Staat unterstützt DCS mit Förderungen.
00:06:51: Huma Simpson war nicht auf der Büffeluniversität und auch nicht am Kuhcollege, darum erklären wir das noch einmal ganz vereinfacht!
00:06:59: Ein hoher CO-Zweibreis macht CCS attraktiver, aber die Produkte, die damit hergestellt werden nicht unbedingt wettbewerbsfähiger.
00:07:08: Und genau hier kommt der Staat ins Spiel!
00:07:10: Damit die Unternehmen trotz CCS wett bewerbsfähig bleiben kann öffentliche Förderung notwendig werden.
00:07:18: Genauso ein Szenario hat das Umweltbundesamt durchgerechnet – nämlich was passiert wenn der Staat einen Teil der Rechnung übernimmt?
00:07:26: In diesem Fall wären es die Hälfte der Investitionen in CO₂-Abscheidung und zusätzliche Energieanlagen sowie das gesamte CO₁-Netz.
00:07:36: Bis zu einem Jahrzehnte gibt es rund sieben, drei Milliarden Euro.
00:07:41: Durch die Ausgaben entstehen zunächst sogar positive volkswirtschaftliche Effekte – und das ist kein Zaubertrick!
00:07:47: Zusätzliche Milliardeninvestitionen erzeugen zusätzliche Nachfrage und Wertschöpfung.
00:07:54: Über Geld spricht man nicht Man hat es!
00:07:57: Bloß gilt das nicht für den aktuellen Staatshaushalt.
00:08:00: Das Umweltbundesamt rechnet deshalb auch ein Szenario, in dem die staatlichen CCS-Ausgaben gegenfinanziert – also an anderer Stelle eingespart werden und dann kippt das Ergebnis.
00:08:12: Denn diese Einsparungen belasten die heimische Wirtschaft stärker als die CCS Investitionen sie ankurbeln.
00:08:20: In der Realität ist es natürlich nicht so extrem, dass Humasimson das Budget für neue Uniformen und Wildlederstiefel verprasst und deswegen kein Geld für die Schulen übrig ist.
00:08:30: Aber die Frage bleibt – woher sollen diese Milliarden kommen?
00:08:34: Und wo fehlt das Geld dann möglicherweise?
00:08:37: Bevor wir also Milliarden in den Müllbeseitigungen stecken, sollten wir uns fragen… müssen wir den Liebestag so abfeiern oder können wir nicht einfach weniger Müll
00:08:47: produzieren?".
00:08:48: Gerade bei Zement gibt es dafür beispielsweise Ansätze mit sogenanntem klinkerreduzierten Zement.
00:08:55: Es gibt allerdings auch ein industriepolitisches Argument, das laut der Studie für CCS spricht Zement, Raffinerin, Müllverbrennung und andere emissionsintensive Branchen sind Teil österreichischer Wertschöpfungsketten.
00:09:08: Wenn Produktion wegen hoher CO-Zweikosten aus Österreich verschwindet und die Produkte anschließend importiert werden, verliert Österreich Wertschöffung und Beschäftigung – und global wird das CO-zweil nicht notwendigerweise vermieden sondern möglicherweise nur
00:09:24: verlagert.".
00:09:25: Gerade bei schwer vermeidbaren Prozessemissionen kann CCS deshalb auch eine Möglichkeit sein, industrielle Produktion in Österreich zu dekarbonisieren anstatt Produktion und Emissionen ins Ausland zu verlagern.
00:09:40: Weltweit haben übrigens viele Städte Probleme mit ihrer Müllbeseitigung.
00:09:45: Laut der Internationalen Energieagentur IEA funktioniert CCS technisch und wird weltweit ausgebaut – die Realität zeigt.
00:09:54: aber Der Hochlauf ist stark von staatlicher Unterstützung und Risikoübernahme abhängig.
00:10:00: Gemessen an den globalen Emissionen, sind die Abscheidung der weltweit installierten Anlagen nach wie vor klein.
00:10:07: Mehr als sechzig Prozent der operativen Abscheidekapazität stehen außerdem bei Erdgasaufbereitungsanlagen.
00:10:16: Dort muss CO² häufig ohnehin aus dem Erdgass entfernt werden.
00:10:21: Die Abscheidung ist bei diesen Anlagen technisch etabliert und vergleichsweise günstig.
00:10:27: Bemerkenswert ist dabei, CCS wird bereits seit Jahrzehnten als zukünftige Lösung in Klimaszenarien eingebaut.
00:10:35: Der tatsächliche Ausbau liegt bislang allerdings deutlich unter den Größenordnungen die für diese Klimapfade notwendig wären.
00:10:44: Viele Projekte verzögern sich oder werden abgesagt besonders jene in den eben teuren Industrieanwendungen.
00:10:51: Auch der Weltklimarat berücksichtigt CCS in seinen Klimapfaden stellt aber fest, dass der weltweite Ausbau weit hinter den dafür angenommenen Größenordnungen liegt.
00:11:01: Fazit Einen fröhlichen Liebestag!
00:11:05: Bevor wir in einen teuren Sir Love Lot investieren, der uns bei der Müllbeseitung vor neue Herausforderungen stellt, sollten wir vor allem eines tun – weniger Müll produzieren.
00:11:17: CCS ist ein teures Spezialwerkzeug, es kann dort eine Rolle spielen wo Emissionen nur schwer vermeidbar sind.
00:11:24: Aber CCS braucht viel Energie, Milliarden Investitionen und eine komplett neue Infrastruktur.
00:11:32: Deshalb gilt beim CO-Zwei dasselbe wie bei Müll was wir gar nicht erst produzieren müssen wir später auch nicht abscheiden transportieren unter der Erde lagern.
00:11:43: Denn die beste Müllbeseitigung beginnt noch immer damit, möglichst wenig Müll zu produzieren.
00:11:48: Die Wildlederstiefel können wir später immer noch kaufen!
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