Folge 20 - Fernwärme

Shownotes

Ich packe meinen Koffer – und mache einen Städtetrip durch Europas Fernwärme.

Wie heizen europäische Städte klimaneutral? Welche Technologien setzen sich durch – und gibt es überhaupt eine Patentlösung?

In dieser Folge von Gegenstrom reisen wir quer durch Europa und besuchen fünf Städte, die ganz unterschiedliche Wege bei der Dekarbonisierung der Fernwärme eingeschlagen haben. Von Tiefengeothermie in Paris und München über Großwärmepumpen in Helsinki bis hin zur Nutzung von Rechenzentrums-Abwärme in Stockholm und der konsequenten Wärmeplanung in Kopenhagen.

Dabei wird schnell klar: Fernwärme ist weit mehr als eine Heiztechnologie. Sie ist eine Infrastruktur, die unterschiedlichste Wärmequellen miteinander verbindet. Welche Lösung die richtige ist, hängt dabei immer von den regionalen Voraussetzungen ab.

Link zur Studie: https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrup/download/pdf/5754979

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00:00:03: Willkommen bei Gegenstrom, den Podcast zur Energiewende.

00:00:08: Wissen, Klarheit, Orientierung in allen Themen rund um die Energiewirtschaft in Österreich.

00:00:16: Jede Woche im zehnminütigen Kurzformat.

00:00:19: Ich bin Angelika Kabert und hier kommt das Gegendström.

00:00:23: Thema der Woche!

00:00:31: Wie europäische Städte ihre Fernwärme umbauen?

00:00:35: Souvenir, welche Ansätze können wir mit nach Hause nehmen.

00:00:41: Ich packe meinen Koffer und nehme mit Tiefengeotermie, Großwärmepumpen, Abwärmenutzung, Solatermie Biomasse und noch vieles mehr!

00:00:51: Denn die Decarbonisierung der Fernwörme ist eine zentrale Herausforderung für Wärmeversorger.

00:00:57: Wichtig für das Verständnis, sie ist keine Technologie sondern eine ganze Infrastruktur.

00:01:04: Ausgangspunkt der Fernwärmereise ist eine zentrale Wärmequelle beispielsweise ein Müllverbrennungsanlage oder ein Biomasseheizkraftwerk.

00:01:14: Über ein weit verzweigtes Rohrleitungsnetz reist sie dann als heißes Wasser zu den angeschlossenen Gebäuden.

00:01:21: Die angekommene Wärme beim Kunden wird über einen Wärmetauscher an Heizung und Warmwasser abgegeben.

00:01:28: Das abgekühlte Wasser tritt dann die Rückreise an, und wird erneut erwärmt.

00:01:33: Der Vorteil?

00:01:34: Viele verschiedene Wärmekwellen können zum Einsatz kommen – also ein bunt gepackter Koffer!

00:01:41: Das Gepäck der Fernwärme ist aber nicht automatisch klimafreundlich, denn entscheidend ist womit die Wärmer erzeugt werden.

00:01:49: Und hier gibt es großen Handlungsbedarf, denn Fernwärme basiert vor allem im städtischen Bereich noch überwiegend auf Verbrennungsprozessen.

00:01:58: Erdgas ist hier vielerorts nach wie vor der wichtigste Energieträger – daneben spielt die Müllverbrennung eine bedeutende Rolle.

00:02:06: Biomasse wird je nach regionalen Voraussetzungen eingesetzt.

00:02:11: Damit der Kofferinhalt klimaneutral wird, müssen die Wärmequellen, die zu fossilen CO-Zweihemissionen führen, Schritt für Schritt ersetzt werden.

00:02:21: Ein nachhaltiges Gepäck kommt darum künftig aus Tiefengeotermie, Großwärmepumpen, industrieller Abwärme-, Solartermie-, Biomasse oder anderen erneuerbaren Quellen.

00:02:32: Regionalität ist dabei der relevanteste Faktor.

00:02:36: Das bedeutet, der Koffer-Inhalt sieht in jeder Stadt oder Gemeinde anders aus!

00:02:41: Die Müllverbrennung wird in vielen Städten allerdings weiterhin eine Rolle spielen – in Zukunft möglicherweise ergänzt durch Technologien zur CO² Abscheidung.

00:02:52: Das Reisebüro, also der Energieversorger das zwischen Wärmequelle und Kunde vermittelt, Deshalb spielen Regulierung, Transparenz und Preisaufsicht eine besonders wichtige Rolle.

00:03:07: Ist ein Gebäude einmal an Fernwärme angeschlossen besteht in der Regel keine Wahl mehr zwischen mehreren Anbietern.

00:03:15: Dabei sind nicht moderne Reiseziele – also Neubauten ein Problem – sondern der Gebäudepest stand.

00:03:21: Während neue Stadtteile einfach an Fernwandersysteme angeschlossen werden können erschweren in vielen bestehenden Gebäuden die derzeit eingebauten Heizsysteme, insbesondere Gasetagenheizungen den Umstieg erheblich.

00:03:36: Das ist vor allem in Wien ein großes Thema mit seinen vielen Altbautn.

00:03:42: Genau deshalb lohnt sich eine Reise durch Europa um die unterschiedlichen Strategien einzelner Städter genauer unter die Lupe zu nehmen.

00:03:50: Unsere Route stellen wir basierend auf einer Studie des Austrian Institute of Technology zur Dekarbonisierung des Wärmesektors im Auftrag der Stadt Wien zusammen.

00:04:02: Erster Halt, Paris-Je T'aime.

00:04:05: Warum einem bei der Wärmewende in Paris ebenfalls warm ums Herz werden sollte und das nicht nur in den Sommermonaten?

00:04:12: Die französische Hauptstadt setzt auf zwei Strategien Sie erschließt neue Wärmekwellen die Tiefengeothermie und nutzt bestehende Konsequente.

00:04:22: Die Abwärme aus Abwasser, Rechenzentren und der Industrie.

00:04:27: Unterstützt wird dieser Umbau durch einen staatlichen Wärmephoh – politisch interessant?

00:04:33: Wird das Netz zumindestens fünfzig Prozent mit erneuerbarer Energie oder Abwörmer betrieben können Gemeinden eine Anschlusspflicht vorsehen!

00:04:43: Nächster Halt Skandinavien Helsinki.

00:04:46: Ein cooler Aufguss.

00:04:48: Bei Finnland denkt man schnell an Sauna, bei der Wärmerwende sorgt allerdings nicht die Hitze sondern die Kälte für einen warmen Aufgess.

00:04:57: Herzstück der Decarbonisierung sind Großwärmepumpen, die Wärme aus Meerwasser Abwasser oder der Umgebungsluft aufnehmen und für das Fernwärmenetz nutzbar machen.

00:05:08: Parallel modernisiert Helsinki sein Fernwärmenetz und senkt die Vorlauftemperatur von einhundertfünfzehn auf neunzig Grad.

00:05:16: Ein wichtiger Schritt, damit Großwärmepumpen künftig noch effizienter arbeiten können!

00:05:22: Wir bleiben im vermeintlich kühleren Norden.

00:05:24: – nächster Halt Hey Stockholm heiße Server!

00:05:29: Stockholm heizt mit der digitalen Welt ein.

00:05:33: Rechenzentren erzeugen enorme Mengen Abwärme.

00:05:36: Diese wird ungenutzt an die Umgebung abgegeben und normalerweise wird auch noch zusätzliche Energie für die Kühlung benötigt.

00:05:44: Stockholm sammelt diese Abwärme ein, und speist sie ins Wärmenetz.

00:05:49: Grundlage ist ein intelligentes Fernwärmenetz das Angebot-und Nachfrage digital steuert.

00:05:56: Aus einem Rechenzentrum wird so ein Heizkraftwerk – ganz nach dem Ikea-Prinzip.

00:06:01: aus vielen einzelnen Bausteinen entsteht ein funktionierendes Gesamtsystem!

00:06:07: Nächster Halt – Kopenhagen, Tivoli.

00:06:10: Dass die Wärme wenn der ein Vergnügen sein kann zeigt die dänische Hauptstadt.

00:06:15: Rund achtundneunzig Prozent des Wärmerbedarfs werden bereits über Fernwärme gedeckt.

00:06:21: Ein überregionales Wärmenetz verbindet Kopenhaagen mit sechzehn Umlandgemeinden und verteilt die Werme dorthin wo sie gerade gebraucht wird.

00:06:30: Großwärmepumpen, Wärmespeicher und Elektrodirektheizungen arbeiten dabei Hand in Hand.

00:06:37: Dahinter steckt eine jahrzehntelange Wärmeplanung und einer Energieversorgung die als Gemeinschaftsprojekt verstanden wird.

00:06:45: Zurück nach Mitteleuropa – nächster Halt München!

00:06:49: O-Zapft ist!

00:06:51: München setzt auf Tiefengeotami mit über fünfzigneuen Bohrungen.

00:06:56: Bis zwei Tausendfünfundvierzig sollen mehr als sechszig Prozent der Fernwärme aus heißen Tiefenwasser stammen, ergänzt durch Großwärmepumpen und wasserstofffähige Anlagen für die Spitzenlastabdeckung.

00:07:08: Nicht nur das Oktoberfest wird in dieser Stadt vorausschauend geplant – sondern auch die Wärmewende!

00:07:14: Da solche Projekte eine jahrzehnte lange Vorbereitung benötigen, sichert München bereits heute geeignete Flächen bindet Umlandgemeinden ein und legt in detaillierten Wärmeplänen fest, wann welche Stadtteile an die Fernwärme angeschlossen werden.

00:07:30: Statt auf eine Anschlusspflicht setzt München auf frühzeitige Informationen und aktive Beratung der Gebäudeigentümer.

00:07:38: Zurück in Österreich Ein Blick in den eigenen Koffer zeigt!

00:07:43: Rund fifty-sech Prozent der Fernwörme stammen bereits heute aus erneuerbaren Energien – allen voran aus Biomasse.

00:07:51: Das Rückgrat dafür bilden vor allem die Bundesländer mit zahlreichen Biomasseheizkraftwerken, oft betrieben von bäuerlichen Nahwärmegenossenschaften.

00:08:01: Regionalität ist hier ein Geschäftsmodell.

00:08:04: In Wien setzt man zunehmend auf tiefen Geothermie und andere urbane Wärmequellen – der Wienerkoffer ist also ein anderer als beispielsweise der Steirische!

00:08:14: Und genau das ist der Punkt Eine erfolgreiche Fernwärme orientiert sich immer an den Ressourcen, die vor Ort verfügbar ist.

00:08:23: Welche Souvenirs packen wir aus unserem Europakoffer nun aus?

00:08:27: Ralph Roman Schmidt vom AIT fast zusammen.

00:08:31: Meine wichtigsten Erkenntnisse für Wien sind dass bei der Wärme- und Infrastrukturplanung auch die überregionalen Potenziale für erneuerbare Wärmekwellen und Speicher berücksichtigt werden sollten und verstärkte Anstrengungen in den Bereichen Förderung, Kommunikation und Digitalisierung erforderlich sind um die Fernwärmetransformation erfolgreich umzusetzen.

00:08:54: Fazit Reisen bilden Die Reise zeigt vor allem eines Für die Decarbonisierung der Fernwörme gibt es keine einheitliche Reiseroute.

00:09:04: Der Blick über die Landesgrenzen bestätigt – die Technologien für eine klimaneutrale Fernwürmer sind längst vorhanden.

00:09:12: Entscheidend ist, die richtige Route unter den eigenen regionalen Voraussetzungen auszuwählen.

00:09:18: Erfolgsversprechend ist es weiteren, den Umbau langfristig zu planen und die Reise mit ausreichend Budget anzutreten.

00:09:26: Jede Stadt hat ihren Koffer anders gepackt – entscheidend ist nicht dass alle dieselbe Route wählen sondern das sie überhaupt losfahren!

00:09:42: Du suchst bei einem Energiethema nach mehr Wissen, Klarheit und Orientierung?

00:09:47: Teile es in den Kommentaren oder abonnier uns doch.

00:09:50: Und wir hören uns nächste Woche überall wo es Podcasts gibt!

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