Folge 14 - Österreichs Energiewende
Shownotes
Elternsprechtag – Ist Österreich Musterschüler oder Sorgenkind der Energiewende?
Österreich gilt bei der Energiewende gerne als Musterschüler. Wasserkraft, Smart Meter, Energiegemeinschaften und ambitionierte Klimaziele sorgen auf den ersten Blick für ein gutes Zeugnis.
Doch hinter den Kulissen häufen sich die Probleme: langsame Verfahren, komplizierte Zuständigkeiten, stockender Windkraftausbau und eine Energiewende, die zunehmend mit Organisation und Systemintegration kämpft. Der Schüler ist Meister im Prokrastinieren – und seine chaotische Organisation wird immer mehr zur Herausforderung.
In dieser Folge von „Gegenstrom“ werfen wir gemeinsam einen Blick in den Bericht der Internationalen Energieagentur – die Lernzielkontrolle der österreichischen Energiewende.
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00:00:03: Willkommen bei Gegenstrom, den Podcast zur Energiewende.
00:00:08: Wissen, Klarheit, Orientierung in allen Themen rund um die Energiewirtschaft in Österreich – jede Woche im zehnminütigen Kurzformat!
00:00:19: Ich bin Angelika Kabrit und hier kommt das Gegendström-Thema der Woche.
00:00:24: Elternsprechtag ist Österreich Muster Schüler oder Sorgenkind der Energiewände?
00:00:30: Hausaufgaben?
00:00:31: Warum Österreich bei der Energiewende hinterherhängt?
00:00:35: Nachsitzen, wie wir bis zum Zeugnis noch aufholen könnten.
00:00:40: Nicht für die Schule sondern fürs Leben.
00:00:42: lernen wir!
00:00:44: Es ist Eltern-Sprechtag bei der Internationalen Energieagentur KURZ IEA.
00:00:49: Der Schüler Österreich kriegt seine Lernzielkontrolle zur Energiewenden.
00:00:54: Die gute Nachricht vorweg – Österreich isst kein Nachzügler.
00:00:58: Ganz im Gegenteil.
00:00:59: Die IEA beschreibt eigentlich einen talentierten Schüler mit außergewöhnlich guten Voraussetzungen.
00:01:06: Im Schulfach erneuerbare Stromerzeugung sieht die Lage in Österreich auf den ersten Blick gut aus.
00:01:12: Rund sechzig Prozent der Stromerzeugung stammen aus Wasserkraft, inklusive der Pumpspeicherkraftwerke mit einer Leistung von fünf Komma sechs Gigawatt.
00:01:21: Dieser erneuerbare Erzeugungspolster, auf dem wir uns gerne ausruhen ist allerdings das Ergebnis eines jahrzehntelangen Infrastrukturaufbaus.
00:01:31: Wasserkraft ist aufgrund unserer geografischen Lage mit Alpen großen Gefällen und vielen Flüssen die nahe liegendste Technologie – doch auch vor dem Alpenland machen Klimawandel-und zunehmende Trockenperioden nicht halt!
00:01:45: In der Europäischen Union zählt Österreich zwar zu den Ländern mit dem höchsten Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch.
00:01:53: Beim Ausbau neuer Erneuerbara-Technologien haben andere Länder in den vergangenen Jahrzehnten allerdings deutlich stärker zugelegt.
00:02:01: In den Nebenfächern sieht es ebenso gut aus – ein nahezu abgeschlossener Smartmeterrollout sowie über elftausend Energiegemeinschaften zeigen, dass das Schüler durchaus fleißig sein kann wenn er will!
00:02:14: oder muss.
00:02:16: Denn Unterdruck entstehen bekanntlich Diamanten, und genau das scheint auch in der österreichischen Energiepolitik manchmal am besten zu funktionieren.
00:02:24: Besonders gut schneidet Österreich in den Fächern innovationen und integrierte Energieplanung ab – wir gelten bei der sektorübergreifenden Energieplanungen als Vorreiter!
00:02:35: Strom-, Gas- und Wasserstoffinfrastruktur werden zunehmend gemeinsam gedacht und geplant.
00:02:41: Auf Seite zwei der Lernzielkontrolle sieht es aber nicht mehr so rosig aus.
00:02:45: Die IEA sieht zwischen den ambitionierten Zielen und Plänen, und der tatsächlichen Umsetzung zunehmend eine Lücke wachsen.
00:02:53: Das Ziel lautet bis zu zwanzigvierzig klimaneutral zu werden – und bereits bis zuzwanzigdreißig eine nationale Strombilanz mit einhundert Prozent erneuerbarer Energie zu erreichen.
00:03:05: Also eine Fleißaufgabe!
00:03:07: Denn das ist deutlich früher als die EU-Vorgabe….
00:03:11: Gerade bei Netzausbau, Genehmigungsverfahren, Infrastrukturprojekten und der Elektrifizierung von Verkehr und Industrie kommt die Umsetzung jedoch oft langsamer voran als geplant.
00:03:23: Das Schulfach Wärmerwende wird dabei gerne vergessen!
00:03:27: Der Schüler Österreich ist eben auch ein Meister im Prokrastinieren – verzettelt sich gerne in Details und glaubt scheinbar alles in letzter Minute noch aufholen zu können.
00:03:40: arbeitet deutlich unter seinen Möglichkeiten.
00:03:44: Kommen wir zu den Hausaufgaben.
00:03:46: Das eigentliche Problem Österreichs ist laut IEA nämlich nicht fehlendes Potenzial, sondern Governance, Verfahren und Umsetzung oder einfacher formuliert – der Schüler ist schlecht organisiert!
00:03:59: Die Internationale Energieagentur kritisiert mehrfach das Hausaufgeben also Gesetze- und regulatorische Maßnahmen zu spät abgegeben werden.
00:04:08: Lange Verzögerungen bei Gesetzen, komplizierte Kompetenzverteilungen, langsame Genehmigungen und mangelnde Koordination zwischen Bund und Ländern bremsen die Energiewende immer wieder aus.
00:04:21: Hinzu kommt viele der Energiegesetze benötigen für den Beschluss eine Zweidrittelmehrheit – das heißt eine breite politische Zustimmung.
00:04:31: Hinter den Vorhängen geht es dabei weniger um die Sache sondern vordergründig um parteipolitische Interessen.
00:04:38: Bis der kleinste gemeinsame Nänder vor den Vorhang darf, ist viel Wasser die Donau heruntergeronnen.
00:04:44: Ohne das passende Gesetz!
00:04:46: Die Energiepolitik hält gerne ambitionierte Reden bei der Umsetzung geht allerdings häufig wertvolle Zeit verloren.
00:04:53: Hinzu kommt – die Hausaufgaben werden nicht nur zu spät abgegeben sondern oft nicht effizient und strukturiert abgearbeitet.
00:05:02: Die IEA beschreibt ein kompliziertes System mit vielen Zuständigkeiten unterschiedlichen Ebenen und langwierigen Abläufen.
00:05:11: Förderungen, Programme und Verantwortlichkeiten sind quer über verschiedenste Stellen verteilt oder anders gesagt der Schüler hat seine Unterlagen in mehreren Schultaschen verteilt und weiß mittlerweile selbst nicht mehr wo die Hausaufgaben eigentlich liegen.
00:05:26: Eine Frühwarnung gibt es im Schulfach Windkraft, denn dieses Fach hat Österreich schleifen lassen.
00:05:33: Bei der Fotovoltaik haben Winnen letzten Jahren fleißig zugebaut – Windkraft hingegen ist komplizierter und erfordert mehr Engagement!
00:05:41: Mit anderen Worten?
00:05:43: Hier liegt großes ungehobernes Potenzial.
00:05:46: Genehmigungen, Zonierung, Governance… Nichts davon geht hier schnell und einfach … Im Gegenteil Das ist deshalb bemerkenswert, weil Windkraft für Österreich im Erzeugungsmix eine Schlüsselrolle spielen soll um die sogenannte Winterlücke in der Stromerzeugung zu schließen und so saisonale Schwankungen auszugleichen.
00:06:06: Hintergrund Wasserkraft erzeugt im Frühjahr- und Herbst am meisten Energie.
00:06:11: Photovoltaik liefert vor allem im Sommer hohe Erträge.
00:06:15: Im Winter – genau dann wenn Strombedarf, Wärme pumpen und Elektrifizierung besonders relevant werden fehlt Energie im System.
00:06:24: Genau hier kommt die Windkraft ins Spiel, um diese Lücke zu schließen – denn im Winter ist Österreich noch immer ein großer Stromimporteur!
00:06:33: Wobei es längst nicht mehr darum geht, möglichst viele einzelne Anlagen zu bauen sondern alles muss zusammenspielen.
00:06:39: Der Schüler muss Vokabel und Grammatik verknüpfen, um die Sprache beherrschen.
00:06:44: Die EEA spricht deshalb immer wieder von Flexibilität, Systemintegrationen.
00:06:52: In den Fächern Wärme und Verkehr stehen ebenfalls alle Ampeln auf Rot.
00:06:56: Im Bereich Wärmhe heizt Österreich weiterhin überwiegend mit fossilen Heizsystemen.
00:07:02: Rund eighthundertfünfzigtausend Gasheizungen, etwa vierhundertvierzigtausende Ölheizung sind derzeit in Betrieb.
00:07:10: Gleichzeitig geht der Austausch gegen erneuerbare Heizysteme nur schleppend voran!
00:07:15: Man muss kein Mathematik-Genie sein um zu wissen Die derzeit rund dreißigtausendjährlich getauschten Gasheizungen reichen bei weitem nicht aus.
00:07:24: Eigentlich wären rund achtzig tausend pro Jahr notwendig, um die Klimaziele zu erreichen – also fast drei Mal so viele!
00:07:32: Wenn der Schüler nicht am Tempo zulegt wird er bei der Wärmewende durchfallen.
00:07:36: Auch im Schulfachverkehr muss etwas passieren.
00:07:39: Der Verkehrssektor verursacht rund achtunddreißig Prozent der energiebedingten Emissionen Österreichs.
00:07:46: Besonders außerhalb der Städte hängt die Elektromobilität weiterhin hinterher.
00:07:51: Anstatt jedoch klar auf Elektromobilität zu setzen, nimmt die Regierung unter dem Verweis auf die Budgetknappheit zunehmend Förder- und Lenkungsmaßnahmen zurück, die den Umstieg unterstützen sollten.
00:08:04: Zuerst das Auslaufen der Kaufprämie für E-Autos – dann das Ende der Befreiung des motorbezogenen Versicherungssteuers und nun die geplante Abschaffung des Sachbezugsvorteils für elektrische Dienstwegen.
00:08:17: Gleichzeitig werden mit Maßnahmen wieder temporär eingeführten Spritpreisbremse oder bestehenden fossilen Begünstigungen, etwa Dieselprivileg- und Pendlerpauschale weiterhin Anreize geschaffen, die fossile Mobilität strukturell begünstigen.
00:08:33: Wenn Österreich nicht mit allem Karachoberter die Carbonisierung des Verkehrs durchfallen will, muss der Fokus klar auf Elektromobilität sowie den öffentlichen Verkehr gesetzt werden.
00:08:44: Doppelkleisigkeiten sind nur beim Schienenausbau klimaneutral – nichts in diesem Bericht ist eine neuartige und unbekannte Information!
00:08:53: Was ist also die Konsequenz wenn Österreich seine Hausaufgaben nicht macht?
00:08:58: Erstens Die Energiewende wird deutlich teurer, denn schlechte und langsame Systemorganisation kostet Geld.
00:09:06: Zweitens Österreich verpasst seine Klimaziele – besonders wenn Verkehrsektor- und Wärmewände nicht konsequent angegangen werden aber auch die Windkraft.
00:09:16: Je später in diesen Bereichen Maßnahmen kommen desto hektischer und teurer wird es.
00:09:21: Das ist wie das ganze Semester nichts lernen und dann hoffen für die Matura in zwei Tagen alles aufzuholen.
00:09:29: Drittens.
00:09:30: Österreich verliert wirtschaftlich an Wettbewerbsfähigkeit.
00:09:34: Der World Energy Issue Monitor erinnert uns hier eindringlich an das Eisene Energietrilemmer.
00:09:40: Neben Klimaschutz und Verfügbarkeit muss Energie vor allem bezahlbar bleiben.
00:09:46: Wenn unser System teuer, unsicher und bürokratisch ist weil wir Hausaufgaben verschleppen schwindet quasi unser wirtschaftliches Taschengeld.
00:09:55: Wir verlieren langfristig an industrieller Wertschöpfung.
00:09:59: Viertens.
00:10:00: Die Netze werden zum Flaschenhals, wenn der Strombedarf massiv steigt.
00:10:04: Erfolgt hier kein rascher Ausbau wird die Energiewende nicht an fehlender Erzeugung scheitern sondern an fehlender Infrastruktur.
00:10:13: Fünftens Österreich verspielt seinen Vorsprung.
00:10:17: Während andere Länder mit deutlich schlechteren Ausgangsbedingungen zügig ihr Energiesystem auf erneuerbare Umstellen und Ausbauen ruhen wir uns auf unserem Polster aus.
00:10:27: Bleibt also die Frage, muss Österreich nachsitzen oder können wir noch bis zum Zeugnistag alles aufholen?
00:10:35: Die gute Nachricht.
00:10:36: Der Schüler ist nicht hoffnungslos und hätte durchaus Chancen auf eine Notenverbesserung – er müsste allerdings anfangen strukturierter zu arbeiten!
00:10:45: Es braucht mehr Systemdenken denn die Energiewende funktioniert nicht in einzelnen Schulfächern.
00:10:51: Wir brauchen fächerübergreifendes Lernen.
00:10:54: Strom kann nicht getrennt von Wärme gedacht werden Wasserstoff nicht getrennt von Industrie, Netze nicht getrannt von erneuerbarer Erzeugung, Speicher nicht getrinnt von Flexibilität.
00:11:06: Die Energiewende braucht ein abgestimmtes Gesamtsystem.
00:11:10: Bevor wir also zur finalen Note kommen, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand des reinen Klimaschutzes.
00:11:16: Der internationale Energieexperte Christian Diendorfer bringt es auf den Punkt!
00:11:21: Der Diskurs rund um die Energiewende fokussiert meist zu stark auf reine Klimaziele.
00:11:28: Wir dürfen nicht vergessen, dass der Ausbau der Erneuerbaren und die Elektrifizierung unseres Systems in der heutigen Zeit vor allem eines sind – unsere einzige Garantie für echte Energiesicherheit und geopolitische Unabhängigkeit!
00:11:42: Fazit Österreich ist bei der Energiewenden jener Schüler, bei dem im Zeugnis steht Sehr großes Potenzial, aber kommt nicht so richtig in die Gänge.
00:11:52: Er ruht sich auf seinem Vorsprung aus!
00:11:55: Die Matura schafft man aber in der Regel nicht wenn man am letzten Drücker fünf Fächer parallel lernt.
00:12:01: Neben ambitionierten Zielen braucht es deshalb vor allem einen Lernplan – also konkrete Meilensteine und einen klaren Weg dorthin.
00:12:09: Der einfache Teil der Energiewende Der Ausbau einzelner Technologien ist vorbei, wir sind im Oberstufenstoff angekommen und vernetztes Denken ist gefragt.
00:12:20: Die eigentliche Herausforderung ist die Systemintegration – und genau hier sieht die Internationale Energieagentur großen Aufholbedarf.
00:12:29: Potenzial allein reduziert keiner Emissionen Das war Gegenstrom der Podcast.
00:12:40: Du suchst bei einem Energiethema nach mehr Wissen, Klarheit und Orientierung?
00:12:44: Teil es in den Kommentaren oder abonnier uns doch.
00:12:48: Und wir hören uns nächste Woche überall, wo es Podcasts gibt!
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