Folge 12 - Wasserstoff

Shownotes

Wasserstoff Unser – Zwischen Glauben und Realität. Wasserstoff gilt als zentraler Baustein der Energiewende. Aber er ist kein Allheilmittel und grüner Wasserstoff ist ein knappes Gut. In dieser Folge von „Gegenstrom“ dreht sich alles um das "Geheimnis des Glaubens" rund um Wasserstoff - ein kritischer Realitätscheck.

Neben dem aktuellen Stand in Österreich und Europa, geht es um das Henne-Ei-Problem des Wasserstoffs, den Hochlauf, Korridore und die Finanzierung.

Die entscheidende Frage: Woher kommt der Wasserstoff – und wer bekommt ihn? Ein Blick auf internationale Entwicklungen zeigt: Während Europa diskutiert, wird anderswo bereits skaliert. Amen.

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00:00:03: Willkommen bei Gegenstrom, den Podcast zur Energiewende.

00:00:08: Wissen, Klarheit, Orientierung in allen Themen rund um die Energiewirtschaft in Österreich jede Woche im zehnminütigen Kurzformat.

00:00:19: Ich bin Angelika Kabert und hier kommt das Gegendström.

00:00:23: Thema der Woche Wasserstoff unser Warum wir an ihn glauben Geheimnis des Glaubens Wo wir wirklich stehen.

00:00:34: Dein Reich komme, wie der Hochlauf gelingen kann!

00:00:39: Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende – auch wenn man in klärikalen Kreisen abstinent lebt, der Glaube an Wasserstoff isst in der Gesellschaft weit verbreitet.

00:00:51: Wasserstoff iess ein essenzieller Baustein für die Dekarbonisierung von Bereichen, in denen man mit der Elektrifizierung oder anderen Technologien nicht weiter kommt wie zur saisonalen Speicherung oder in sogenannten Hard-to-abate-Sektoren in der Industrie.

00:01:09: Einige sind der festen Überzeugung, in ihm ein Allheilmittel zur Decarbonisierung sämtlicher Lebensbereiche gefunden zu haben.

00:01:17: Aber grüner Wasserstoff – also Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energieträgern hergestellt wird – ist ein knappes Gut!

00:01:25: Am Wasserstofftag des österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands stand die Entwicklung des Wasserstoffs und seine Zukunft im Zentrum.

00:01:34: Wasserstoff folgt dem klassischen Technologieentwicklungszyklus, nachdem ersten Hype ist Ernüchterung eingetreten.

00:01:42: Dabei ist die aktuelle Lage durchaus positiv zu bewerten denn es gibt bereits erste konkrete Projekte.

00:01:49: Erfreulich ist, global tut sich viel und Österreich ist gut positioniert.

00:01:55: Rund dreißig Megawatt installierter Elektrolüseleistung – Projekte wie Age to Future der Fürstalpine, der Wiener Wasserstoff GmbH oder dem Underground Sun Storage Speicher Der Rack sprechen für sich.

00:02:09: Warum ist Wasserstoff für die Energiewende so wichtig?

00:02:13: Einerseits kann er eine zentrale Herausforderung lösen.

00:02:16: Wir können Sonnenenergie aus dem Sommer also Wasserstoff in den Winterspeichern.

00:02:21: Dafür hätte Österreich einen besonderen Standortvorteil – unsere unterirdischen Erdgasspeicher könnten perspektivisch auch für die Speicherung von Wasserstoff verwendet werden, wie von der Rack bereits getestet wurde.

00:02:34: Andererseits ist Wasserstoff ein wertvoller Rohstoff für die Industrie etwa in der Stahl- oder Chemieproduktion wo man mit Elektrizität alleine bei der Decarbonisierung nicht weiter kommt.

00:02:46: Johannes Jungbauer von der Wien Energie dazu am Wasserstoff führt bei der Decarbonisierung bestimmter Sektoren kein Weg vorbei.

00:02:54: Wasserstoff ist also ein strategischer Baustein für die Energiewende und kann einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.

00:03:01: – kurz gesagt, der Glaube an Wasserstoff speist sich aus einer klaren Hoffnung!

00:03:07: Dass er genau dort funktioniert, wo das erneuerbare Elektrizitätssystem an seine Grenzen stößt.

00:03:13: Doch zwischen Glauben und Realität steht die Wahrheit, denn der Blick auf den Status quo zeigt.

00:03:20: Wir stehen beim Wasserstoff noch ganz am Anfang!

00:03:23: Den rund dreißig Megawatt an Elektrolyseuren stehen ein tausend Megawatte bis zwanzig Dreißig aus der österreichischen Wasserstoffstrategie gegenüber – schon heute ist klar?

00:03:35: Mit Glaubem allein geht sich das nicht

00:03:37: aus.".

00:03:38: Es wird viel geplant, viel gepredigt aber noch zu wenig und so langsam umgesetzt.

00:03:44: Und das hat einen Grund denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail!

00:03:49: Grüne Wasserstoff ist derzeit nicht wettbewerbsfähig weil schlicht zu teuer.

00:03:54: Laut Experten liegt damit Kosten von sieben bis zehn Euro pro Kilogramm deutlich über dem Preis von grauen Wasserstoff, der aus fossilen Erdgas gewonnen wird.

00:04:05: Wir stehen vor einem klassischen Henne-Eye-Problem.

00:04:09: Ohne Nachfrage erfolgen keine Investitionen in Infrastruktur und ohne Infrastruktur erfolgt keine Nachfrage.

00:04:17: Genau hier beginnt das eigentliche Geheimnis des Glaubens, der Hochlauf scheitert nicht an der Technologie an die viele Glauben sondern am System.

00:04:27: Es fehlt an Infrastruktur Leitungen, Speicher und internationale Transportkorridore müssen erst aufgebaut werden.

00:04:35: Und dazu braucht es die rechtlichen Rahmenbedingungen und Planungssicherheit.

00:04:40: Dabei soll das geplante Wasserstoff-Startnetz nur ein erster Schritt sein – und nicht das Endsystem!

00:04:47: Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass das Wasserstoffnetz dort bereits deutlich weiter ist.

00:04:52: Fünfhundert Kilometer sind gebaut oder in Betrieb, weitere zweihundert Kilometern befinden sich im Bau.

00:04:59: Am Glauben fehlt es nicht, am Geld schon.

00:05:02: Die Finanzierung des Wasserstoffhochlaufs ist noch nicht geklärt.

00:05:06: Hohe Investitionskosten treffen auf einen Markt der noch nicht existiert.

00:05:11: Wer trägt das Risiko?

00:05:13: Der Staat die Netzbetreiber die Industrie?

00:05:16: Aktuell ist genau diese Frage offen.

00:05:19: Es gibt aber Lösungen und während wir diese Fragen diskutieren bleibt eine weitere Realität bestehen.

00:05:26: Energieautorkey ist ein schönes Wort, aber kein realistisches Szenario.

00:05:32: Je nach Szenario wird ein Großteil des in Österreich benötigten Wasserstoffs importiert werden müssen und zwar aus allen Himmelsrichtungen über sogenannte Korridore.

00:05:42: Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist klar – das sind neue geopolitische Abhängigkeiten, in die wir uns begeben werden!

00:05:50: Aktuell werden die einzelnen Korridoren entwickelt.

00:05:53: Diese können, müssen aber nicht über Österreich laufen.

00:05:57: Der Südkorridor – eine bis zu viertausend Kilometer lange Wasserstoff-Pipeline über Nordafrika, Italien und Österreich Richtung Deutschland könnte beispielsweise auch über die Schweiz geführt werden.

00:06:11: Realistisch wird der Südcorridor erst ab zwei tausendzeihunddreißig oder eher zweitausendfünfunddreizig relevant!

00:06:19: Gleichzeitig sollte auch der Ostkorridor über die Ukraine nicht aus dem Blick geraten.

00:06:25: Entscheidend ist, wenn die Wasserstoffkorridoren nicht über Österreich führen, verlieren wir unsere strategische Schlüsselrolle und werden vom Mitgestalter zum Randteilnehmer am Wasserstoffmarkt – die Hoffnung ist mit der Infrastruktur kommen auch die Mengen!

00:06:41: Es entsteht Liquidität ein echter Handelspunkt und damit die Möglichkeit Preise

00:06:47: mitzugestalten.".

00:06:48: aber nur wenn dieser Knoten auch tatsächlich in Österreich liegt.

00:06:52: Das ist keine technische Frage, sondern eine wirtschafts- und industriepolitische Entscheidung – denn die Zeit läuft und die Konkurrenz schläft nicht!

00:07:01: Deutschland gilt als Zielmarkt und für die Routen dorthin gibt es noch verschiedene Varianten.

00:07:07: Weniger Glauben und mehr Handeln entspricht eher der Mentalität in China.

00:07:13: Während Europa in der Entscheidungsfindung feststeckt, skaliert China bereits mit deutlich niedrigeren Kosten und höherem Tempo.

00:07:21: Laut Experten ein entscheidender Vorteil – wer skaliert setzt die Spielregeln!

00:07:27: Und dann stellt sich noch die Frage wie die Jungfrau zum Kind kommt?

00:07:31: Wer bekommt den grünen Wasserstoff überhaupt?

00:07:34: für welche Anwendungen wird er eingesetzt und in welcher Priorität?

00:07:38: Denn die verfügbaren Mengen werden begrenzt sein.

00:07:41: Es wird voraussichtlich nicht für alle reichen.

00:07:44: Diese Verteilungsfrage ist weitgehend ungeklärt!

00:07:47: In Wien setzt man auf die Etablierung kleiner Wasserstoffinseln mit ersten Anwendungen von grünem Wasserstoff, ein aktuelles Anwendungsbeispiel – die Café-Rösterrei Julius Meindl.

00:08:00: Es wird mehr solcher Pilotprojekte brauchen, denn beim Thema Wasserstoff gibt es sehr viel konjunktiv und sehr wenig Futur.

00:08:07: exakt Damit aus dem Glauben Realität wird, braucht es vier Evangelien.

00:08:13: Klare Prioritäten, Infrastruktur, Risikoübernahme und Nachfrage.

00:08:20: Und genau das ist anspruchsvoll!

00:08:22: Denn Wasserstoff ist kein einzelnes Projekt sondern ein komplexes System.

00:08:27: Evangelium zu Prioritäten – Wasserstoff soll dorthin wo er gebraucht wird.

00:08:33: Es braucht dringend eine sinnvolle Priorisierung, denn Wasserstoff wird ein knappes Gut bleiben und kann nicht überall eingesetzt werden wo es technisch möglich wäre.

00:08:43: Sondern nur dort wo es keine Alternative gibt – und das bedeutet auch die Decarbonisierung des Wirtschaftsstandortes und der Industrie.

00:08:52: neu zu denken!

00:08:53: Was hat Zukunft und Wo liegen unsere Stärken?

00:08:57: Für welche Produkte wird es einen Markt geben… und für welche

00:09:01: nicht?!

00:09:02: Es braucht eine Industriestrategie und Politik, die auf unsere Stärken setzt um uns am Weltmarkt klar zu positionieren.

00:09:10: Evangelium zur Infrastruktur Europa muss in die Skalierung kommen denn aus Pilotprojekten entsteht noch kein Markt.

00:09:18: Der Hochlauf wird in mehreren Phasen gedacht Zuerst die Startphase mit ersten Anlagen dann das Upscaling mit dem Aufbau des Startnetzes und der Verbindung zu Importkorridoren, die im Idealfall über Österreich führen.

00:09:33: Erst danach kommt der eigentliche Hochlauf – also jene Phase in der der Wasserstoff handelbar und im besten Fall wettbewerbsfähig wird.

00:09:42: Für eine Wasserstoffwirtschaft braucht es Leitungen, Speicher- und Importkorrigore damit Handelspunkte entstehen.

00:09:49: Aus Teilen der heutigen Gasinfrastruktur soll künftig Wasserstoffinfrastruktur werden.

00:09:55: Bestehende Leitungen können teilweise umgerüstet werden, teilweise entstehen neue Verbindungen.

00:10:02: Ohne dieses Netz bleibt Wasserstoff ein Nischenprodukt – also eine Sekte und keine Weltreligion.

00:10:09: Evangelium zum Risiko Und damit auch zur Finanzierung.

00:10:14: Am Anfang stehen hohe Investitionskosten wenigen Abnehmern gegenüber.

00:10:19: Die Rede ist von mehreren Milliarden Euro für den Umbau des Gasleitungsnetzes.

00:10:25: Es stellt sich die Frage, wer das Risiko und vor allem die Kosten dafür übernimmt?

00:10:30: Die Netzbetreiber sollen Infrastruktur bauen, haben aber keinen Einfluss ob es genug Kunden geben wird und sich die Investitionen in den Umbau des Netzes überhaupt lohnen werden!

00:10:41: Die Lösung wird gerade diskutiert – der Staat soll einspringen.

00:10:46: Aber ist der Beutel leer, ist der Glaube schwer?

00:10:50: Evangelium zur Nachfrage.

00:10:53: Selbst wenn die Infrastruktur steht und die Finanzierung geklärt ist bleibt eine entscheidende Frage offen.

00:11:00: Wer kauft den Wasserstoff und die Produkte daraus?

00:11:03: Hier braucht es eine gezielte Unterstützung.

00:11:06: Grüne Leitmärkte – öffentliche Beschaffung langfristige Abnahmeverträge.

00:11:12: Am Ende entscheidet also nicht nur die Produktion, sondern die Bereitschaft, die grünen Produkte auch tatsächlich zu kaufen.

00:11:19: All diese Evangelien finden die Gläubigen hoffentlich bald in der Bibel – dem rechtlichen Rahmen und dem Glaubensbekenntnis der Politik!

00:11:28: Das neue Gaswirtschaftsgesetz soll die Grundlage schaffen für ein nationales Wasserstoff-Startnetz und die Anbindung an

00:11:36: Europa.".

00:11:37: Also ganz konkret Netzzugang, Tarife, Genehmigungsverfahren und der Umgang mit dem bestehenden Gasnetz.

00:11:44: Parallel dazu liegt das Erneuerbaren Gasegesetz derzeit in der Koordinierung.

00:11:49: Die Idee?

00:11:50: Gasversorger sollen dazu verpflichtet werden erneuerbare Gase ins Netz einzuspeisen – also biogenes Gas-und Wasserstoff.

00:11:58: Fazit Vielleicht ist Wasserstoff am Ende genau das Eine Frage des Glaubens.

00:12:04: Wir glauben daran, dass er die Lücke schließt und andere Technologien offen lassen.

00:12:09: Dass er die Industrie dekarbonisiert und Energie speichert – aber wie bei jedem Glauben kommt irgendwann der Moment in dem man sich an der Realität messen muss!

00:12:18: Aller voraussicht nach wird grüner Wasserstoff ein knappes und teures Gut bleiben.

00:12:24: Genau deshalb braucht es einen klaren Fokus wo der verfügbare Wasserstoff hinfließen soll… Die unbequeme Beichte?

00:12:32: Wir werden ihn zu großen Teilen importieren müssen.

00:12:36: Und nach den Erfahrungen der letzten Jahre wissen wir, was das bedeutet – neue Abhängigkeiten und ein damit verbundenes

00:12:43: Risiko.".

00:12:44: Währenddessen skaliert China bereits und setzt damit die Spielregeln.

00:12:48: Europa diskutiert noch!

00:12:51: Und genau deshalb müssen wir uns die entscheidende Frage stellen….

00:12:54: Welche Bereiche werden unter diesen Bedingungen überhaupt noch wettbewerbsfähig sein?

00:12:59: Und welche

00:13:00: nicht?!

00:13:00: Decarbonisierung bedeutet nicht, alles zu bewahren.

00:13:04: Sie bedeutet Prioritäten zu setzen und auch sich von Dingen zu verabschieden.

00:13:09: Nicht jede Industrie wird sich unter diesen Rahmenbedingungen an unserem Standort halten lassen – der Glaube an Wasserstoff ist da aber Glaube ersetzt keine Entscheidungen!

00:13:20: Wenn wir weiterhin versuchen, alles gleichzeitig zu retten verliern wir am Ende alles.

00:13:26: Was es jetzt braucht, ist Fokus auf unsere Stärken Und auf das, was in Zukunft trag und wettbewerbsfähig ist.

00:13:34: Alles andere isst glauben und hoffen.

00:13:58: Amen!

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