Folge 11 - Photovoltaik

Shownotes

Der PV-Ausbau war lange das perfekte Match der Energiewende. Doch plötzlich wird es komplizierter: Der Markt stockt, die Rahmenbedingungen sind unsicher. Aber das ist nur die Oberfläche.

In dieser Folge von Gegenstrom geht es um die Frage, wie wir Photovoltaik ins System integrieren können. Denn mit dem Boom hat sich das System verändert: Dezentrale Einspeiser treffen auf Netze, die dafür nicht gebaut wurden. Die Photovoltaik geht auf Partnersuche und findet u.A. den Batteriespeicher. Warum sind sie das perfekte Paar und was braucht es noch alles? Die Energiewende tritt in eine neue Phase ein: vom Ausbau zur Integration.

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00:00:05: Willkommen bei Gegenstrom, den Podcast zur Energiewende.

00:00:11: Wissen, Klarheit, Orientierung in allen Themen rund um die Energiewirtschaft in Österreich – jede Woche im zehnminütigen Kurzformat!

00:00:21: Ich bin Angelika Kabert und hier kommt das Gegendström-Thema der Woche.

00:00:31: Zu viel Sonne oder das falsche System?

00:00:36: Warum Photovoltaik an Grenzen stößt?

00:00:40: Partner Suche.

00:00:42: Wie PhotovOLTAIK in System integriert wird?

00:00:45: Wolken sind aufgezogen!

00:00:47: Unser Sonnenkind, die Photovолtaik war lange Zeit das perfekte Match der Energiewende.

00:00:53: Günstig schnell verfügbar politisch gewollt und bürgernah.

00:00:58: Ein Profil, das gepasst hat.

00:01:01: Doch plötzlich wird es komplizierter.

00:01:03: Der Boom ist abgeflacht!

00:01:06: Wurden in Österreich noch rund zweitausend Megawatt-Fotovoltaik zugebaut, sind es nur noch ein tausend sechshundert.

00:01:17: Ein deutlicher Rückgang – nicht weil Fotovoltaik plötzlich unattraktiv wäre sondern weil sich die Rahmenbedingungen verändert haben.

00:01:26: Förderstops, Diskussionen rund um Einspeise entgelte fehlende Planungssicherheit.

00:01:33: Der Markt ist da, aber das Vertrauen fehlt.

00:01:37: und wie beim Dating gilt – ohne Vertrauen entsteht keine stabile Beziehung.

00:01:42: Aber das ist nur die Oberfläche!

00:01:44: Das eigentliche Problem liegt tiefer.

00:01:47: Es ist unumstritten dass wir für die Energiewende den zügigen Ausbau der Photovoltaik brauchen.

00:01:53: Die entscheidende Frage ist nun aber Wie wir sie ins System integrieren?

00:01:58: Beispielsweise in Wien speisten vor der Energiewende vier Erzeugungsanlagen ins Netz ein.

00:02:04: Heute sind es achtzehntausend Zählpunkte.

00:02:07: Das ist kein Ausbau, sondern ein komplett neues System.

00:02:12: Die Herausforderung?

00:02:13: Dieses System muss umgebaut werden.

00:02:16: Damit das funktioniert brauchen wir v.a.

00:02:18: drei Dinge Flexibilität Speicher und bessere Koordination.

00:02:24: Photovoltaik produziert Strom wenn die Sonne scheint vor allem zum Mittag und im Sommer.

00:02:30: Der Verbrauch findet aber am Morgen- und Abendstatt, das Ergebnis Einspeisespitzen zur Mittagszeit, Netzengpässe auf lokaler Ebene und ein steigender Bedarf an Flexibilität.

00:02:42: Angebot und Nachfrage matchen nicht – sie swipen aneinander vorbei!

00:02:48: Ein Teil der Lösung?

00:02:49: Den Verbrauchs anpassen!

00:02:51: Lastverschiebung also beispielsweise das E-Auto mittagsladen, die Wärmepumpe tagsüberlaufen lassen oder Industrieprozesse flexibilisieren.

00:03:02: Ein erster Schritt in diese Richtung sind flexible Tarife und Marktmechanismen – die Anreize setzen, Strom dann zu nutzen wenn er verfügbar ist.

00:03:11: Ein Beispiel der Sommerniederarbeitspreis, kurz SNAP ein Sommertarif bei dem der Stromverbrauch zum Mittag mit einer Reduktion der Netzentgelte belohnt wird.

00:03:22: Der Nachteil?

00:03:23: Nicht alle Verbraucher haben die Möglichkeit, ihre Verbräuche nach dem Sonnenstand auszurichten.

00:03:28: Aber auch hier gibt es Lösungen – das Smart Home!

00:03:32: Mittels Energiemanagementsystem kann das Eigenheim aktiv zur Optimierung der Netze beitragen.

00:03:38: Nach der fehlenden Flexibilität wird dem einstigen Liebkind der Energiewende von Kritikern zunehmend vorgeworfen, die Netzkosten zu treiben.

00:03:47: Doch die Realität ist komplexer….

00:03:49: In den letzten Jahren ist Photovoltaik mit vielen Aufdachanlagen sehr, sehr dezentral und österreichweit ausgebaut worden.

00:03:58: Die über das Netz transportierten Strommengen sind gesunken weil am Standort selbst Strom produziert wird so Fotovolteikexpertin Cornelia Daniel.

00:04:08: nach dieser Logik müssten die Netzkosten eigentlich auch sinken Doch das Gegenteil ist der Fall, denn das Stromnetz muss Versorgungssicherheit garantieren und ist auf den Extremfall ausgelegt.

00:04:20: Die sogenannte Dunkelflaute!

00:04:23: Während wir unsere Energieversorgung zunehmend elektrifizieren – und damit effizienter machen – darf die Versorgungssicherheit nicht außer Acht gelassen werden.

00:04:33: Und diese fordert Investitionen und vorausschauende Planungen.

00:04:37: Blackout- und Krisenvorsorge-Experte Herbert Zauruck bringt es auf den Punkt.

00:04:43: Es ist unerheblich, ob es sich in neunundneinzig Prozent der Fälle ausgeht – es muss sich zu einhundert Prozent ausgehen!

00:04:50: Das zeigt sich im Netz und hier werden allerlei Probleme sichtbar wie sie am diesjährigen PV-Kongress von den Netzbetreibern diskutiert wurden.

00:05:00: Zum einen wird das System zunehmend endsolidarisiert.

00:05:04: so sehen dass die Netzbetrieber direkt Leitungen umgehen das Netz einzelne optimieren Die Kosten steigen aber für alle anderen.

00:05:12: Gleichzeitig kann das Netz dadurch auch entlastet werden, argumentieren die anderen.

00:05:17: Die Frage wer künftig die Netzkosten trägt wird also immer relevanter.

00:05:22: Steuerung ist für den Netzbetrieb essentiell und diese fehlt teilweise.

00:05:27: Ein großer Teil der PV-Leistungen sind kleine Anlagen beispielsweise auf Einfamilienhäusern oder bei Industrieunternehmen, auf die die Netze kaum Zugriff haben.

00:05:37: Bei Neuanlagen schreiben einige Netzbetreiber bereits Vorgaben fest, die einen Zugriff ermöglichen.

00:05:43: Mit der lange geforderten Spitzenkappung sind die Netzbettreiber in der derzeitigen Form ebenfalls nicht glücklich – denn diese wurde rechtlich an der Modulleistung festgemacht.

00:05:54: Entscheidend wäre aber wie viel Energie tatsächlich im Netz ankommt!

00:05:58: Die Photovoltaik hat genug vom Single-Dasein.

00:06:01: Sie ist nach wie vor begehrt und hat ein Matchingproblem mit dem aktuellen System.

00:06:07: Und so meldet sie sich auf einer Dating-Plattform an, um den perfekten Partner zu finden.

00:06:12: Sie trifft auf den Batteriespeicher!

00:06:15: Wie beim Herzblatt gibt es drei Kandidaten zur Auswahl – Den mobilen Speicher in Form von Elektroautos, dem Heimspeicher und dem Großspeicher auch bekannt als Bess.

00:06:27: Egal wer von den dreien, sie alle sind ein Perfect Match.

00:06:30: Speicher verschieben Energie, erhöhen den Eigenverbrauch und entlasten das Netz.

00:06:36: Mit anderen Worten, Photovoltaik und Speicher sind das perfekte Paar.

00:06:41: Im kleinen- und mittleren Bereich gibt es schon viele Partnerschaften den Haushalte- und Gewerberüsten nach.

00:06:47: Der große Engpass liegt bei den Großspeichern!

00:06:50: Werder Imitzer von der Interessensvertretung PV Austrier bestätigt dies – Großspeicher werden noch nicht in dem Ausmaß gebaut wie wir sie brauchen.

00:07:00: Es braucht dringend mehr Ronde Wusse denn es gibt zu wenig Speicher im System insbesondere bei den Großspeichern.

00:07:07: Warum ist das so?

00:07:09: Allen voran sind gesetzliche Rahmenbedingungen noch in Klärung.

00:07:13: Laut ersten Einschätzungen werden diese aber vorerst nicht dazu führen, dass nun ein Speicherboom ausgelöst wird.

00:07:20: Dies bestätigt auch Energierechtsexperte Alexander Schuldmeier der jedoch hofft, dass die Kriterien für die Systemdienlichkeit etwas gelockert werden damit aus dem Dating auch tatsächlich Traumpare werden können.

00:07:33: Gleichzeitig geht es in einer guten Partnerschaft auch darum, sich aufeinander einzustellen.

00:07:38: Ein Blick nach Deutschland zeigt – Es gibt aktuell weniger als drei Gigawattanspeichern.

00:07:43: Gebraucht würden aber bis zu dreihundert Gigawatts.

00:07:47: Gleichzeitig liegen bereits Anschlussanfragen von rund siebenhundertdreißig Gigawatts vor!

00:07:53: Wir haben also ein paradoxes Bild Noch viel zu wenig Speicher im System, aber gleichzeitig ein riesiger Andrang an Projekten der weit über dem tatsächlichen Bedarf fliegt.

00:08:04: Bei zu vielen Anfragen kommt auch auf der besten Dating-Plattform nichts Praktikables heraus!

00:08:11: In Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild – die Netzbetreiber werden mit Anfragen überschüttet da die Hürden für diese sehr niedrig sind.

00:08:19: Auch hier fehlt eine systemische Planung.

00:08:21: Eigentlich sollten oder besser gesagt die Systembetreiber angeben, wo Speicher am Wirkungsvollsten eingesetzt werden können um Netzenckpässe zu reduzieren.

00:08:32: Es fehlt offensichtlich eine vorausschauende Planung auf allen Seiten fast das Herber Zauruck zusammen!

00:08:38: Das neue Anschlussprinzip First Ready – First Served sorgt bei Netzbetreibern sowie Projektentwickler für Unzufriedenheit.

00:08:46: Netzbetreiber sehen ineffiziente Entscheidungen und benötigen eine klare Definition und Regelung, welchen Projekten der Vorrang gegeben werden sollte.

00:08:56: Projektentwickler wiederum stehen oft lange in der Warteschleife – denn erst mit der Netzzusage kann ein Projekt konkret werden!

00:09:04: Bis dahin vergeht Zeit, in der sich Rahmenbedingungen ändern können oder Finanzierungen unsicher werden.

00:09:11: Gleichzeitig fehlt häufig die Transparenz, wo überhaupt noch Kapazitäten im Netz frei sind.

00:09:17: Mit anderen Worten Speed-Dating wird das keines weil keiner weiß wann er überhaupt dran ist.

00:09:24: Um die Beziehung auf das nächste Level zu heben muss das Liebespaar also systemisch integriert werden und das ist bei bereits vorhandenen Speichern noch nicht der Fall!

00:09:33: Es fehlt eine übergeordnete Orchesterierung die sicherstellt oder zumindest Anreize setzt, dass Speicher auch wirklich dann geladen werden.

00:09:42: Wenn Überschüsse vorhanden sind und entladen werden wenn das Netz es benötigt.

00:09:47: Es braucht jemandem der die Richtung vorgibt und Entscheidungen trifft damit alle wissen wo die Reise hingeht.

00:09:55: Fazit!

00:09:56: Für die Energiewende ist Photovoltaik eine der attraktivsten Kandidatinnen.

00:10:00: Doch neben dem weiteren Ausbau treten wir in eine neue Phase ein Die Integration.

00:10:06: Derzeit optimieren wir Einzelteile, aber nicht das System.

00:10:10: Und genau daran entscheidet sich ob die Energiewende funktioniert oder eben stecken bleibt.

00:10:16: Es braucht neben Speichern und Flexibilitäten vor allem eine klare Vision wie unser erneuerbares Energiesystem am Ende aussehen soll Begleitet von stabilen langfristigen Zielen und verlässlichen Rahmenbedingungen Ganz so wie in einer Partnerschaft Mit Commitment, Handlungsfähigkeit und einer gemeinsamen Vorstellung von der Zukunft.

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